Bürgerinitiative gegen den Hochmoselübergang

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Deutschlands "HochmoselÜbergangArdennenOffensive"
Menschen leiden unter der Baumaßnahme - Standsicherheitsnachweis fehlt nach wie vor - rheinland-pfälzische Landesregierung arbeitete jahrelang mit falschen Zahlen und täuschte so Bürger, Politiker und Gerichte

Ürzig/Zeltingen-Rachtig, 26.11.2012

Die Bürger am der Mosel, zwischen Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach, zwei wunderschöne Touristenstädtchen, erleben zur Zeit zermürbende Vorgänge: Bagger, Bohrmaschinen, Baufahrzeuge rücken an, um den Bau der Riesenbrücke, den 'Hochmoselübergang' vorzubereiten. Nach einjähriger Zwangspause wegen fehlender Statikberechnungen soll plötzlich alles ganz schnell gehen. Es wird auch nachts gearbeitet - der Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz hat sich eigenen Angaben zufolge hierfür eine Ausnahmegenehmigung erteilen lassen. Mit riesigen Bohrgeräten sollen bis 50 Meter tiefe Betonbohrpfähle in den Boden gegraben werden - angeblich soll damit die Brücke stabilisiert werden. Den Standsicherheitsnachweis konnte die Landesregierung jedoch nicht erbringen. Eine diesbezügliche Anfrage der Bürgerinitiative Pro-Mosel wird seit nunmehr 6 Wochen verschleppt.

"Ich wohne gut 1,5 Kilometer von der Baustelle und werde früh morgens von den Bohrgeräuschen wach. Es ist nicht die Lautstärke, die mich zermürbt, es ist das Wissen darum, dass es dieser Landschaft nun an den Kragen gehen soll", so Georg Laska, Sprecher Bürgerinitiative Pro-Mosel.

Noch halten sich die Auswirkungen der wachsenden Baustelle in Grenzen. Was auf den Eifel- und Hunsrückhöhen oberhalb des Moseltals geschieht, wird von vielen Menschen verdrängt, sie halten sich vom Ort des Geschehns fern, um das Elend nicht Tag für Tag mitansehen zu müssen.

Gerhard Polt und Biermösl Blosn fanden bayerisch-markante Worte für die Vorgänge an der Mittelmosel, als sie dort ein Gastspiel gaben: "... wo die Politiker behaupten, dass alles noch besser liefe, wenn de B50neu baut werd, de HochmoselÜbergangArdennenOffensive ..."

Was im Erörterungsbericht zum Planfeststellungsverfahren im Jahr 1999 noch emotionslos als "nicht ausgleichbaren Eingriff in das Landschaftsbild" bezeichnet wurde, welcher den Charakter des Moseltals mit den typischen kleinen Weinorten durch dieses großdimensionierte Bauwerk verändere, wird von der einheimischen Bevölkerung, von Touristen, Weinliebhabern und Weinexperten weitaus deutlicher kommentiert.

Eine Familie aus dem Hunsrück bemerkt verbittert, dies sei "der größte Landschaftseinschnitt, den es je im westlichen Hunsrück gegeben hat, und ohne Beispiel. Eine größere Katastrophe gibt es nicht." Ein Kölner Bürger schrieb an die Bürgerinitiative: "ein Paradies auf Erden wird zerstört! Unglaublich." Ein Koblenzer ist empört über die fehlende Rechtmäßigkeit der Bauplanung: "... durch diese widerrechtlichen Eingriffsmaßnahmen werden die Natur in unverantwortlicher Weise geschädigt, der Naturgenuss des Bürgers ganz empfindlich beeinträchtigt, das Landschaftsbild unvertretbar verunstaltet."

Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz bleibt in seinem Brief an den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Beck betont sachlich: "Der Ausbau der B50 und vor allem der Bau der Hochmoselbrücke führen zu einem vollständigen Bruch in der Entwicklung einer historisch gewachsenen Kulturlandschaft, deren bisherige Gestalt von einer sukzessiven und vor allem nachhaltigen anthropogenen Überprägung bestimmt ist."

Im Dumont Reiseführer Mosel ist zu lesen, der Hochmoselübergang sei "eine Katastrophe für die Landschaft, das Microklima der berühmten Weinlagen, die Menschen am Fluss und den Tourismus." Bernd Schulz, Mitautor der "Weinwanderungen an der Mosel" bezeichnet die Zerstörungen durch die Baumaßnahme mit deutlichen Worten als "Affenschande für unser Land".

Doch Deutschland verliert viel mehr als eine weltberühmte Kulturlandschaft, deren exzellente Weine zu den besten Rieslingweinen unseres Erdballs gehören. Auf der Strecke bleibt bei vielen auch der Glaube an unseren Rechtsstaat. Fast nichts von dem, was als offizielle Begründung für den Mammutbau genannt wurde, hat sich als haltbar erwiesen. Die Aussage, es gehe um eine Fernverbindung vom Belgischen Raum ins Rhein-Main-Gebiet hatte sich als Witz entpuppt, nachdem rechnerisch nachgewiesen wurde, dass die Neubaustrecke zu einer Fahrtzeitverlängerung von bis zu 60 Minuten führen würde. Entsprechend übertrieben waren auch die Zahlen zum Verkehrsbedarf: statt 25.000 Fahrzeugen würden nur, so eine offizielle Korrektur, ca. 13.000 Fahrzeuge die Strecke benutzen, Tendenz abwärts, denn der Regionalflughafen Hahn, der einen großen Teil des Verkehrs verursachen sollte, efüllt die hochgesteckten Erwartungen der Planer ebenfalls nicht. Die Moselortschaften würden besser angebunden, war behauptet worden, doch auch das stimmt nicht. Eine ganz normale Regionalkarte genügt, um dies zu widerlegen. Als bei den Feierlichkeiten zum ersten Spatenstich 2009 gar behauptet wurde, dass der Tourismus gefördert werde, brach großes Gelächter aus. Die rheinland-pfälzische Landesregierung hatte sich von einem Institut, das ihr zu einem Drittel selber gehörte, einen Persilschein für eine derartige Falschaussage ausstellen lassen. Das Gutachten enthielt jedoch konzeptionelle und grobe analytische Fehler und täuschte den Leser zudem mit irreführenden Grafiken.

"Bei diesem Projekt wird das Vertrauen der Bürger in die rechtsstaatlchen Grundlagen unseres Landes missbraucht", stellt Harald Ehses von der Bürgerinitiative Pro-Mosel fest. "Der weitverbreiteten Meinung, dass unsere Politiker sich nur noch einzelnen Interessenvertretern und nicht mehr den Bürgern verpflichtet fühlen, wird auf diese Weise Vorschub geleistet."

Bemerkenswert ist auch der Umgang mit Deutschlands Steuergeldern. "Wie kann es sein, dass in Zeiten von Rekordschulden, Rekord- Unterrichtsausfall, steigender Kinder- und Altersarmut, wo Jugendbildungsangebote, Kultur-, Sport- und Betreuungsangebote zurückgefahren werden aus Geldmangel, ein Gemeinwesen, das sich auf Solidarität und christliche Werte begründet, soviel Geld in nachgewiesenermaßen sinnfreie Fehlplanungen vergeigt wird", fragt Rudolf Trossen, Öko-Winzer aus Kinheim und ebenfalls in der Bürgerinitiative aktiv. "Werden wir auch Zeugen einer gewissen Verwahrlosung ethischer Werte und christlicher Substanz der Eliten?"

Vor diesem Hintergrund hat eine Äußerung des renommierten britischen Weinexperten Hugh Johnson ('Weinpapst'), eine gleich mehrfache Bedeutung: "The Mosel High Bridge is more than a folly. It is a crime." (Die Hochbrücke an der Mosel ist mehr als eine Dummheit, sie ist ein Verbrechen.)

      
Das Moseltal im November 2012
(Großformatige Bilder mit Mausklick)

Links:


Erörterungsbericht zum Planfeststellungsverfahren, 1999
Auswahl an Zitaten zum Hochmoselübergang
Schreiben des Rheinischen Vereins an Kurt Beck
Proteste beim 'ersten Spatenstich' 2009
Artikel im Trierischen Volksfreund zum Baustopp
Kritik am Tourismus-Gutachten
Video über das Problem Hochmoselübergang (filmische Zusammenstellung)
Internetseite der Bürgerinitiative Pro-Mosel
Materialien zum Hochmoselübergang

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Kontakt und weitere Information:
Georg Laska, Vors. von Pro-Mosel
Email, Tel.: 1578 2357 121

Dr. Elisabeth Reis, 2. Vors. von Pro-Mosel
Email, Tel.: 06532 3339

Heide Weidemann, stellv. BUND-Landesvorsitzende
Email, Tel.: 06532 93146