Bürgerinitiative gegen den Hochmoselübergang

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Hochmoselübergang - rutschende Weinberge und andere Katastrophen

Ürzig/Zeltingen-Rachtig, 30.4.2013

Der "Moselsporn" gehört zu den instabilsten Bergformationen Deutschlands. Ohne Notwendigkeit wollen Politiker ausgerechnet hier ihren Größenwahn ausleben.

Oft und ausgiebig wurde davor gewarnt, dass das Bergplateau zwischen Bernkastel und Zeltingen mit seinem extrem instabilen Graacher Hang zu sensibel für eine Großbaumaßnahme ist. Kurz vor Ostern gab es im Zusammenhang mit der Verlegung einer Stromleitung eine Hangbewegung, bei welcher ein Weinberg abgerutscht ist. Eine in der Nähe, zeitgleich mit dem Fernstraßenbau stattfindende Flurbereinigungsmaßnahme musste gestoppt werden. Nun sollen die Ursachen mit Hilfe von Bohruntersuchungen erforscht werden.

Abrutschende Straßen, umkippende Mauern und Rissbildungen in Häusern prägen seit jeher das Bild am Graacher Hang. Graacher Bürger wissen von einer größeren Rutschung Anfang des 20. Jahrhunderts zu berichten, als große Schlammmassen einen Teil des Ortes zuschütteten. An einer anderen Stelle des Berges, in Traben-Trarbach, kam es im Januar dieses Jahres zu einer Beinahe-Katastrophe: Ein tonnenschwerer Felsbrocken stürzte auf eine Veranda und verfehlte ein Wohnhaus nur knapp.

Der Moselsporn, so heißt der Berg, der sich zwischen Traben-Trarbach und Bernkastel-Kues erstreckt, gehört zu den instabilsten, aber auch faszinierendsten Formationen Deutschlands. An seinen Hängen befinden sich einige der besten Riesling-Weinlagen unseres Erdballs, worauf auch 'Weinpapst' Hugh Johnson mehrfach mahnend hinwies. In der Vergangenheit beherbergte das Bergplateau zudem zahlreiche Kultstätten, wie archäologische Funde aus der Kelten-, der Franken- und der Römerzeit beweisen. Bekannt sind ein römischer Minerva-Tempel, keltische Hügelgräber und fränkische Siedlungen. Ein Großteil dieser Fundstätten wird von der Baumaßnahme in Mitleidenschaft gezogen. Das Kulturdenkmal "Graacher Schanzen" wurde bereits 2009 teilweise eingerissen.

Das Hochplateau, das heute für Urlauber besonders reizvoll ist, war bislang von Straßenbaumaßnahmen verschont geblieben, doch damit soll nun Schluss sein. Das Straßenbauprojekt "B 50 neu", ein im Autobahnmaßstab geplanter Straßenneubau, soll den Moselsporn für immer entstellen. Durch Dämme und mehr als 10 Meter tiefe Scheisen soll sich die Trasse, über die umstrittene Hochbrücke führend, in den Hunsrück fortsetzen. Dabei führt sie knapp 10 Kilometer lang unmittelbar an der Abrisskante des Berges entlang. Einerseits nimmt man hiermit eine weitere Destabilisierung der Hangformation in Kauf, andererseits erfolgt durch den Trassenneubau ein massiver Eingriff in den Grundwasserhaushalt der Weinberge, so dass eine Beeinträchtigung der Weinqualität der Spitzenweine zu befürchten ist.

Die Auswirkungen der Trassenführung auf die Umwelt waren Gegenstand von Gerichtsprozessen, in denen die Gegner letztlich unterlagen: Wegen des angeblich großen überörtlichen Interesses wurde von den Behörden eine "Befreiung von Verbotstatbeständen des Bundesnaturschutzgesetzes" erwirkt, u.a. mit der Folge, dass der Schutz von 150 Vogelarten nicht beachtet zu werden braucht.

"Wir haben es hier mit einem besonders krassen Beispiel rücksichtsloser Bauplanung zu tun", so Georg Laska von Pro-Mosel. "Ein Land, das ohne Not eine Jahrtausende alte Kulturlandschaft einem Großprojekt opfert, ist auf dem besten Weg, seine Glaubwürdigkeit nachhaltig zu verspielen."

Der Bedarf für dieses Straßenbauprojekt musste im Jahr 2010 deutlich nach unten korrigiert werden: Die Verkehrsprognose wurde von 25.000 auf 13.000 Fahrzeuge pro Tag halbiert, etwa ein Fünftel dessen, wofür sie maximal ausgelegt ist. Aber auch diese Zahl ist nicht mehr aktuell. Dies hängt mit dem schwach frequentierten Regionalflughafen Hahn zusammen, der sich nicht wie erwartet positiv entwickelt hat und als Zuschussbetrieb längst in die Kritik geraten ist. Verkehrsexperte Prof. Monheim schätzt den Bedarf für den Hochmoselübergang stattdessen auf etwa die Hälfte.

Der Nutzen-Kosten-Faktor, von 3,4 auf 1,8 heruntergesetzt, spiegelt die aktuelle Situation genausowenig wider. Kürzlich aufgetauchte Statik-Probleme bei der Hochbrücke und die heute übliche Unterschätzung der Kosten könnten dafür sorgen, dass der Nutzen-Kosten-Faktor letztlich unter 1,0 fällt.


Der Moselsporn und seine Weinlagen (alte Weinkarte)
(Großformatiges Bild mit Mausklick)


Links:


Dossier über die Region um den Moselsporn
Über die Geologie des Moseltals
Bericht über einen abgestürzten Felsbrocken
Hugh Johnson zum Hochmoselübergang
Spitzenwinzer warnen vor den Folgen der Baumaßnahme
Befreiung vom Naturschutz
Erörterungsbericht zum Planfeststellungsverfahren, 1999
Der Planfeststellungsbeschluss



Eifelzeitung über die Kosten des Hochmoselübergangs
Verkehrsprognose und Nutzen-Kosten-Analyse von 2010
Stellungnahme des Verkehrsexperten Prof. Monheim
Internetseite der Bürgerinitiative gegen den Nachtflughafen Hahn



Video über das Problem Hochmoselübergang (filmische Zusammenstellung)
Internetseite der Bürgerinitiative Pro-Mosel
Materialien zum Hochmoselübergang

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Kontakt und weitere Information:
Georg Laska, Vors. von Pro-Mosel
Email, Tel.: 1578 2357 121

Dr. Elisabeth Reis, 2. Vors. von Pro-Mosel
Email, Tel.: 06532 3339

Heide Weidemann, stellv. BUND-Landesvorsitzende
Email, Tel.: 06532 93146