Baumaßnahme: Neubau der B 50 im Abschnitt zwischen Platten und Longkamp einschließlich des Zubringers Longkamp (bis B 50 alt bei Kommen)

 

Anlage zum Erläuterungsbericht

 

FFH-Verträglichkeitsprüfung

- Kurzfassung -

 

 

FFH-Verträglichkeitsprüfung - Kurzfassung -

Nach der sog. "FFH-Richtlinie"1 der Europäischen Union müssen Pläne und Projekte, die Gebiete des europaweit geplanten Netzes "Natura 2000" beeinträchtigen können, einer Prüfung auf Verträglichkeit mit den für dieses Gebiet festgelegten Erhaltungszielen unterzogen werden.

Für die Bundesrepublik Deutschland ist dieses Netz noch nicht entwickelt und festgelegt. Aus Gründen der Rechtssicherheit hat der Planungsträger beschlossen, das Projekt auch für Gebiete, bei denen die Kriterien der FFH-Richtlinie möglicherweise erfüllt sind, einer Verträglichkeitsprüfung zu unterziehen. Diese Prüfung schließt die Gebiete der sog. "Vogelschutzrichtlinie"2 mit ein.

Gegenstand der Untersuchung ist der II. Abschnitt der B 50 neu, Planungsbereiche A und B von Platten bis Longkamp einschließlich des ZB B 53 ( Erden/Lösnich) und des ZB B 50 alt (Longkamp).

 

Ausweisungsstand/Meldestand nach § 19b Abs. 1 Bundesnaturschutzgesetz/Art 6 Abs. 1 der FFH-Richtlinie

Vom Landesamt für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz (LfUG) liegen fachliche Entwürfe mit Sachstand Januar und April 1997 vor, die Vorschlagsgebiete gemäß der FFH-Richtlinie benennen und eine Gebietsabgrenzung enthalten. Sie stellen die sogenannte "Tranche 1" dar.

Mit Stand Dezember 1998 hat das LfUG eine überarbeitete Fassung ("Tranche 2") vorgelegt, die dem Bundesministerium für Umwelt (BMU) gemeldet werden soll. Zu der Tranche 2 gehören die im nachfolgenden bewerteten Gebiete "Kautenbachtal" und "Tiefenbachtal".

Eine Ausweisung der Flächen als Schutzgebiete hat noch nicht stattgefunden. Die beiden Gebiete müssen nach der gegenwärtigen Rechtslage als "potentielle FFH-Gebiete" berücksichtigt werden. In Bezug auf den Bau der B 50 neu werden sie daher einer Prüfung nach Art 6 der FFH-Richtlinie unterzogen.

 

Gepüfte Varianten und wesentliche Auswahlgründe

Im betrachteten II. Abschnitt der B 50 neu bestehen aufgrund der vorhandenen Zwangspunkte (Moseltalbrücke, Ortslage Platten, möglichst konfliktarme Querung der Moselrandhöhen und des Moselspornes) keine Möglichkeiten zur Ausweisung und Untersuchung von Trassenvarianten.

Weitere Aussagen zu den im Rahmen des Gesamtprojektes untersuchten Trassenvarianten sind der allgemeinverständlichen Zusammenfassung nach § 6 UVPG zu entnehmen, die in den Erläuterungsbericht integriert wurde.

 

Tiefenbachtal

Schutzgründe und Erhaltungsziele

Im Tiefenbachtal kommen insgesamt 8 Lebensraumtypen des Anhangs I der FFH-Richtlinie vor. Als "prioritärer Lebensraum" sind dabei die Schlucht- und Hangmischwälder hervorzuheben.

Pflanzenarten des Anhangs II der FFH-Richtlinie sind nicht nachgewiesen worden. Nachgewiesene Tierarten des Anhangs II sind das Große Mausohr (Myotis myotis), die Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteini), die Groppe (Cottus gobio) und die Spanische Flagge (Callimorpha quadripunctaria). Mit dem Auftreten weiterer Fledermausarten des Anhangs II ist zu rechnen.

Da vom LfUG keine Erhaltungs- und Entwicklungsziele benannt werden konnten, wurden sie aus gutachterlicher Sicht wie folgt entwickelt und abgeleitet:

 

Auswirkungen auf die Erhaltungsziele der FFH-relevanten Arten und Lebensraumtypen

Nach Anhang I und II der FFH-Richtlinie prioritär einzustufende Lebensraumtypen und Arten sind durch das Vorhaben nicht erheblich beeinträchtigt.

Es sind jedoch Beeinträchtigungen von Erhaltungszielen der Arten Großes Mausohr und Bechsteinfledermaus zu erwarten, die keine prioritären Arten nach dem Anhang II der FFH-Richtlinie darstellen.

Zur Vermeidung und Minderung der erheblicher Auswirkungen sind im Bereich der potentiellen FFH-Gebiete mehrere Wildbrücken vorgesehen, die in Verbindung mit den vorgesehenen Leiteinrichtungen /speziellen Wildsperrzäunen), einer naturnahen Gestaltung, auf die Wildbrücken zuführenden Zuleitungskorridoren und Leitstrukturen einen Schutz vor dem Verkehrstod sowie einen Austausch der Gesamtpopulationen im Landschaftsraum ermöglichten. Eine grundsätzliche Restgefährdung einzelner Tiere kann jedoch nicht ganz ausgeschlossen werden.

Zum Ausgleich verbleibender Auswirkungen auf die Erhaltungsziele der Bechsteinfledermaus werden im oberen Dhrontal 23 ha Fichtenwald in einen standortgerechten Laubwald mit Gehölzen, naturnahen Waldrändern und Offenlandbereichen umgewandelt.

Verbleibende Auswirkungen auf das Große Mausohr werden durch die Anlage vernetzender Gehölzstrukturen zwischen Tagesquartieren und Jagdhabitaten ausgeglichen.

Die vorgesehenen Ausgleichsmaßnahmen für den Erhalt der Populationen und der Lebensräume erhalten die Kohärenz des Netzes Natura 2000 aufrecht.

 

Kautenbachtal

Schutzgünde und Erhaltungsziele

Im Kautenbachtal konnten insgesamt 12 Lebensraumtypen des Anhangs I der FFH-Richtlinie nachgewiesen werden. Die Lebensraumtypen "Artenreiche Borstgrasrasen montan (und submontan auf dem europäischen Festland)", "Schlucht- und Hangmischwälder" sowie "Erlen- und Eschenwälder und Weichholzauenwälder an Fließgewässern" sind prioriär einzustufen.

Pflanzenarten des Anhangs II der FFH-Richtlinie sind nicht nachgewiesen worden. Nachgewiesene Tierarten des Anhangs II sind das Große Mausohr (Myotis myotis), die Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteini), die Groppe (Cottus gobio) und die Spanische Flagge (Callimorpha quadripunctaria). Mit dem Auftreten weiterer Fledermausarten des Anhangs II ist zu rechnen.

Aus gutachterlicher Sicht wurden aufgrund fehlender Vorgaben der Fachbehörden folgende Erhaltungsziele für das potentielle FFH-Gebiet Kautenbachtal abgeleitet:

Das Gebiet hat eine grundsätzlich hohe Bedeutung für den Bestand des Mittelspechtes. Das könnte bedeuten, dass es grundsätzlich geeignet ist, als mögliches EU-Vogelschutzgebiet zu gelten. Eine Benennung als IBA-Gebiet ist bisher noch nicht erfolgt und auch nicht abzusehen, so daß derzeit keine Bedeutung als EU-Vogelschutzgebiet abzuleiten ist.

 

Auswirkungen auf die Erhaltungsziele der FFH-relevanten Arten

Nach Anhang I und II der FFH-Richtlinie prioritär eingestufte Lebensraumtypen und Arten werden durch das Vorhaben nicht erheblich beeinträchtigt. Es verbleiben wie auch im Tiefenbachtal Beeinträchtigungen von Erhaltungszielen der nicht prioritären Arten nach Anhang II der FFH-Richtlinie Großes Mausohr und Bechsteinfledermaus.

Zur Vermeidung und Minderung der erheblicher Auswirkungen sind im Bereich der potentiellen FFH-Gebiete mehrere Wildbrücken vorgesehen, die in Verbindung mit den vorgesehenen Leiteinrichtungen /speziellen Wildsperrzäunen), einer naturnahen Gestaltung, auf die Wildbrücken zuführenden Zuleitungskorridoren und Leitstrukturen einen Schutz vor dem Verkehrstod sowie einen Austausch der Gesamtpopulationen im Landschaftsraum ermöglichten. Eine grundsätzliche Restgefährdung einzelner Tiere kann jedoch nicht ganz ausgeschlossen werden.

Zum Ausgleich verbleibender Auswirkungen auf die Erhaltungsziele der Bechsteinfledermaus werden im oberen Dhrontal 23 ha Fichtenwald in einen standortgerechten Laubwald mit Gehölzen, naturnahen Waldrändern und Offenlandbereichen umgewandelt.

Zur Stützung der Fledermausarten "Großes Mausohr" und "Bechsteinfledermaus" werden im Rahmen des LBP zusätzlich umfangreiche landschaftspflegerische Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen vorgesehenen und umgesetzt:

Anreicherung der Landschaft mit Nahrungshabitaten, bspw. an Gewässerläufen durch Uferrandstreifen, Anlage von Leitstrukturen zwischen den einzelnen Teillebensräumen in Form von Hecken zur Orientierung bei Nahrungsflügen, Anlage von Obstwiesen zur Verbesserung des Nahrungsangebotes.

Die detaillierte Auflistung aller Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen sind dem Landschaftspflegerischen Begleitplan zu entnehmen.

Verbleibende Auswirkungen auf das Große Mausohr werden durch die Anlage vernetzender Gehölzstrukturen zwischen Tagesquartieren und Jagdhabitaten ausgeglichen.

 

Die vorgesehenen Ausgleichsmaßnahmen für den Erhalt der Populationen und der Lebensräume erhalten die Kohärenz des Netzes Natura 2000 aufrecht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fußnote 1 Richtlinie 92/43/EWG des Rates der Europäischen Gemeinschaft vom 21.5.1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen (Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften Nr. L 206/7) zurück zum Text

 

Fußnote 2 Richtlinie 79/409/EWG des Rates der Europäischen Gemeinschaft vom 02.04.1979 über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten (Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaft Nr. L 103/1) zurück zum Text